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Aktuelle Auto-Nachrichten aus Russland
24.11.09:
Die russische Regierung hat überrascht auf die Entscheidung von General Motors reagiert, Opel doch nicht an Magna und die russische Sberbank zu verkaufen. Die Nachricht habe in Russland und "besonders in der russischen Regierung" für Überraschung gesorgt, sagte der Sprecher von Ministerpräsident Wladimir Putin, Dmitri Peskow, am Mittwoch laut Berichten russischer Nachrichtenagenturen.
Das Konsortium aus dem österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna und der russischen Sberbank will seinen Angaben zufolge "sehr bald" mit dem Opel-Mutterkonzern sprechen und eine "tiefgehende" rechtliche Analyse der Situation vornehmen.
Die Übernahme von Opel durch das Konsortium Magna/Sberbank war im Grunde genommen bereits eine beschlossene Sache. "Nach uns vorliegenden Angaben wollen Magna und Sberbank in nächster Zeit Konsultationen mit General Motors aufnehmen und die entstandene Situation gründlich analysieren. Die russische Regierung wird an dieser Arbeit nicht teilnehmen", sagte Peskow.
Nach Worten von Russlands Vizeregierungschef Alexander Schukow ist die GM-Entscheidung nicht zu bedauern. "Die russische Automobilindustrie hat auch ohne Opel genug eigene Probleme", sagte er am Mittwoch vor der Presse in Nischni Nowgorod. "Wir haben die Talsohle der Krise bereits hinter uns. Unsere Autobauer haben jetzt gewisse Entwicklungsperspektiven. Wir müssen uns vor allem um das Schicksal eigener Unternehmen kümmern", betonte Schukow. Als einer der künftigen Opel-Standorte in Russland wurde bislang der in Nischni Nowgorod ansässige Nutzfahrzeughersteller GAZ favorisiert.
Avtovaz wird gerettet
Russland will für die Lösung von Problemen des größten russischen Autoherstellers Avtovaz (Lada) 54,8 Milliarden Rubel (1,27 Milliarden Euro) locker machen, erklärte Putin noch bevor die GM-Entscheidung klar war."Analysen zeigen, dass das Unternehmen hoffnungslose Schulden hat, die es wird nie zurückzahlen können. Es geht um eine Summe von 38 Milliarden Rubel", sagte Putin in einer Beratung zu Wirtschaftsproblemen.
Aber das allein reiche nicht. Erforderlich seien auch Mittel für die Entwicklung des Unternehmens, für den Bau neuer konkurrenzfähiger Modelle - alles in allem etwa noch zwölf Milliarden Rubel. "Und noch 4,8 Milliarden Rubel sind für die Schaffung von Arbeitsplätzen bestimmt."
Putin sprach sich dafür aus, dass russische und ausländische Avtovaz-Aktionäre ein Entwicklungsprogramm für das Unternehmen konzipierten. Dieses Programm soll nicht nur Anti-Krisen-Schritte, sondern auch Pläne für die Perspektive enthalten. "Dieses Programm soll es Avtovaz gestatten, sich nach der Krise langfristig und effektiv zu entwickeln. Und der Staat übernimmt die Tilgung der meisten Schulden von Avtovaz und die Lösung mehrerer sozialer Probleme wie der Beschäftigung freigesetzter Mitarbeiter", sagte der Regierungschef.
Opel hätte deutsch-russischen Beziehungen einen Schub geben können
Der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft bedauert das Scheitern der Gespräche zwischen GM, Opel, Magna und der russischen Sberbank. „Das Projekt wäre grundsätzlich geeignet gewesen, der Partnerschaft zwischen Deutschland und Russland im Bereich der Automobil- und Zulieferindustrie einen Schub zu geben“, sagte der Ost-Ausschuss-Vorsitzende Klaus Mangold. Das Projekt hätte mit Sicherheit zur industriellen Modernisierung der Russischen Wirtschaft in einem ihrer Schlüsselbereiche beitragen können. „Die Entscheidung von GM darf jetzt nicht zu Irritationen im deutsch-russischen Verhältnis führen", sagte Mangold. Der Ost-Ausschuss wird dazu beitragen, dass die Modernisierung der russischen Automobilwirtschaft weiter nachhaltig vorangetrieben wird.
Am 10. September hatte die GM-Leitung den Verkauf von 55 Prozent der Opel-Anteile an das Konsortium Magna/Sberbank bekanntgegeben. 35 Prozent der Aktien wollte GM für sich behalten. Zehn Prozent der Papiere sollten an die Opel-Belegschaft gehen.
Großbritannien ist glücklich
Die britische Regierung kündigte eine enge Zusammenarbeit mit General Motors an. London wolle eng mit dem Opel-Mutterkonzern kooperieren, um die Pläne für das Unternehmen und deren Auswirkungen auf Großbritannien zu "verstehen", sagte ein Sprecher des Handelsministeriums in London. Die britische Regierung habe immer gesagt, dass sie zu finanzieller Unterstützung bereit sei, wenn es eine "langfristige, tragfähige Lösung" gebe.
Großbritannien hatte mehrfach Bedenken gegenüber den Magna-Plänen geäußert, weil der Abbau von Arbeitsplätzen bei der britischen Opel-Schwester Vauxhall befürchtet wurde.
Die größte britische Gewerkschaft Unite reagierte erfreut auf den Stimmungsumschwung beim US-Mutterkonzern. "Das ist die beste Entscheidung für Großbritannien und unsere Fabriken" sagte Gewerkschaftschef Tony Woodley der BBC. Die Gewerkschaft wolle nun mit GM über eine mögliche Umstrukturierung verhandeln. Das Unternehmen zu zerschlagen, sei "unlogisch", sagte Woodley.
Spanien verhalten
In Spanien reagierten Gewerkschaftsvertreter verhaltener auf die Ankündigung. "Das sind überraschende Neuigkeiten und sie verursachen große Unsicherheit", sagte die Vertreterin der Gewerkschaft CCOO für das Opel-Werk im nordspanischen Figueruelas, Ana Sánchez. Die CCOO bat um eine Dringlichkeitssitzung mit Vertretern der spanischen Regierung. Der Betriebsratsvorsitzende José Juan Arcéiz sagte, die Mitarbeiter seien alle "sehr überrascht". Er wollte aber nicht zu der Entscheidung Stellung nehmen, "bevor wir wissen, wie die genauen Pläne von General Motors aussehen". Auch in Spanien war durch den Magna-Deal eine massive Streichung von Arbeitsplätzen befürchtet worden. [ russland.RU ]