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Autonachrichten aus Russland
24.11.2009 Gute Aussichten für Auto-Teile-Markt in Russland
Steigende Nachfrage nach Ersatzteilen prognostiziert
Moskau (gtai) - Der russische Automobilmarkt entkommt dem weltweiten Einbruch der Nachfrage nach Pkw nicht. Viele Analysten rechnen für 2009 mit einem Absatzrückgang von über 20%. Unerwartet positiv fällt in diesem Umfeld die Prognose der Marktforschungsagentur Awtostat für Ersatzteile und Komponenten aus.
Dieses Segment könnte schon bis 2010 um 20% zulegen, spätestens aber bis 2012, meinen die russischen Analysten. Auch deutsche Experten glauben an einen wachsenden Markt für Ersatzteile, gehen aber von einem niedrigeren Marktvolumen aus.
Die Umsätze im russischen Autoteilemarkt, das heißt Komponenten für die Erstausstattung neuer Pkw und Ersatzteile für Gebrauchtwagen, sind 2008 im Vergleich zum Vorjahr um 19% auf 46,45 Mrd. US$ gewachsen. Zu diesem Ergebnis kommt die Marktforschungsagentur Awtostat.
Laut ihrer Studie haben die Verkäufe im After sales mark für Pkw 2008 um 14% auf 35,4 Mrd. US$ zugelegt. Diese Einschätzung teilt auch Michail Blochin, der leitende Direktor des Nationalen Verbandes der Komponentenhersteller in Russland.
Marktvolumen für Kfz-Teile nach den Angaben von Awtostat (in Mrd. US$)
| Markt für |
2007 |
2008 |
Veränderung 2008/2007 in % |
2010-2012 1) |
Veränderung 2010-12 in % |
1) Prognose, 2) für den Bau von Neuwagen, 3) für den After sales market Quelle: Awtostat |
| .Komponenten 2) |
7,9 |
11,05 |
40 |
14,8 |
34 |
| .Ersatzteile 3) |
31 |
35,4 |
14 |
41,1 |
16 |
| Gesamt |
38,9 |
46,45 |
19 |
55,9 |
20 |
Experten uneins über Marktvolumina
Eine andere Auffassung vertritt Iwan Bontschew, Automobilexperte bei Ernst&Young in Moskau. Bontschew geht von einem Marktvolumen von 44 Mrd. bis 45 Mrd. US$ aus - jedoch für den gesamten Kfz-Sektor, das heißt für Pkw und Nutzfahrzeuge wie Lkw. Bei den Awtostat-Angaben handelt es sich hingegen lediglich um Pkw.
Auch deutsche Unternehmen, die auf dem russischen Automobilmarkt tätig sind, halten die Awtostat-Zahlen für überzogen. In Anlehnung an die Erfahrungen auf dem deutschen After sales marketschätzen einige das Umsatzvolumen in Russland auf rund 14 Mrd. bis 15 Mrd. US$.
In einer im Januar 2009 erstellten Studie zum russischen Kfz-Teilemarkt rechnet die ABH Marketingservice GmbH aus Köln mit einem Volumen des After sales market von lediglich 6,6 Mrd. Euro für 2008. "35,4 Mrd US$ für Ersatzteile - das wäre mehr als in Deutschland", sagt ABH-Geschäftsführer Gerd Heinemann.
Dabei gebe es in Deutschland 10 Mio. mehr Fahrzeuge als in Russland. Obwohl Germany Trade and Invest die Marktforschungsagentur Awtostat auf diese Diskrepanz hingewiesen hat, hält das Analyseinstitut an den eigenen Prognosen fest.
Struktur des russischen Pkw-Fuhrparkes (in 1.000 Stück)
| |
2004 |
2006 |
2008 |
| Quelle: Awtostat |
| Fuhrpark insgesamt |
23.383 |
25.570 |
29.405 |
| . davon ausländische Marken |
4.407 |
5.553 |
9.794 |
Der Löwenanteil von 76% geht Awtostat-Angaben zufolge auf Ersatzteile zurück, die in Gebrauchtwagen eingebaut werden. Noch spielen die heimischen Marken die wichtigere Rolle. Angeblich wurden sie 2008 für 19,8 Mrd. US$ nachgerüstet bzw. mit neuen Ersatzteilen versehen. Ausländische Autos verbuchten im After sales market nur einen Anteil von 44% gemessen am Umsatz.
Diese Situation dürfte sich in den nächsten Jahren ändern. Bereits heute besteht ein Drittel des russischen Fuhrparkes von insgesamt 29,4 Mio. Autos aus nicht-russischen Marken. Dieser Anteil wird angesichts der Beliebtheit ausländischer Pkw weiter steigen. Im Jahr 2008 wurden über 2 Mio. ausländische Neufahrzeuge in Russland verkauft. Dazu kommen 400.000 ausländische Gebrauchte. Dagegen brachten es die klassischen russischen Marken auf gerade einmal 690.000 Stück.
Struktur des After sales market für Kfz 2008 (in Mio. Stück / in Mio. US$)
| Kfz-Teile |
Stückzahl (in Mio. Teilen) |
Umsatz (in Mio. US$) |
| Quelle: Awtostat |
| Insgesamt |
1.244,58 |
35.401,48 |
| .davon: |
|
|
| .Antriebsanlagen, bzw. Teile davon |
106,68 |
7.750,65 |
| .Fahrgestell-Teile |
145,95 |
5.081,19 |
| .Elektrik/Eletronik |
122,95 |
3.409,52 |
| .Innen- Außenausstattung |
43,57 |
3.113,31 |
| .Öl |
398,17 |
2.281,99 |
| .Filter |
124,83 |
794,19 |
| .Batterien |
8,40 |
949,20 |
| .Reifen und Radkappen |
67,60 |
4.221,18 |
| .Zusatzausstattung |
19,00 |
1.900,00 |
| .andere |
207,43 |
5.900,25 |
Ein Grund für den relativ großen Verschleiß und die dadurch notwendigen Ersatzinvestitionen seien die schlechten Straßen in Russland, begründet Awtostat die im internationalen Vergleich hohen Umsätze mit Autoteilen.
Abgesehen von den großen und meist gut in Schuss gehaltenen Hauptverkehrsadern in den Millionenmetropolen und einigen wenigen überregionalen Trassen weisen die meisten Straßen Löcher auf, die Ränder sind schlecht befestigt und die Fahrweise vieler Russinnen und Russen ist alles andere als materialschonend. Deshalb und wegen der zahlreichen Unfälle wurden 2008 laut Awtostat 5,1 Mrd. US$ für Fahrgestell-Teile ausgegeben (+14,4%).
Awtostat prognostiziert bis 2010 einen Anstieg des After sales market auf 41,1 Mrd. US$. Sollte sich der After sales market langsamer entwickeln, ist diese Marktgröße erst 2012 zu erreichen. Michail Blochin vom Verband der russischen Komponentenhersteller hingegen glaubt nicht, dass das Marktvolumen 2009 und 2010 steigen wird. Erst danach dürften wieder mehr Ersatzteile nachgefragt werden.
Auch wenn andere Marktexperten - sowohl aus Russland, als auch aus Deutschland - niedrigere Ausgangsvolumina für den After sales market zugrunde legen, so glauben sie doch an einen prosperierenden Markt. Die ABH Marketingservice GmbH aus Köln rechnet wie Awtostat mit einer Steigerung des Volumens im After sales market um 9%.
In Russland immer mehr Importfahrzeuge"Es gibt in Russland immer mehr Importfahrzeuge - und die brauchen in den nächsten Jahren zwangsläufig Ersatzteile", argumentiert etwa Gerd Heinemann. Für 2010 geht der Kölner Marktforscher sogar von einem Umsatzwachstum von 11% auf 8 Mrd. Euro aus. "Wir glauben, dass der russischeAfter sales market auch in den Folgejahren mit zweistelligen Wachstumsraten zulegt."
Auch deutsche Ausrüster von Kfz-Teilezulieferern, die in Russland Geschäfte machen, rechnen trotz Finanz- und Wirtschaftskrise mit einem wachsenden After sales market-Volumen. Die Autos sind jetzt in Russland und müssen in den kommenden Jahren auch mit ausländischen Teilen repariert werden, so die ganz überwiegende Meinung.
Ein sehr dynamisches Geschäft steht deutschen Herstellern von Komponenten für die Erstausstattung neuer Pkw ins Haus. Das ist im Augenblick zwar noch ein relativ kleiner Markt. Schließlich wurden in Russland 2008 gerade einmal 600.000 ausländische Pkw gefertigt. Aber es werden von Jahr zu Jahr mehr. Dabei wird mehr als die Hälfte der in Russland verbauten Kfz-Teile importiert.
Dies ist aus zwei Gründen notwendig: Einheimische Zulieferer produzieren zum allergrößten Teil noch nicht mit jenen Qualitätsstandards, die etwa deutschen Autoherstellern mit einer Fertigung in Russland genügen würden.
Zweitens sind bislang noch vergleichsweise wenige westliche Zulieferer in Russland vertreten und wenn, dann handelt es sich überwiegend um Hersteller größerer Teile: Sitze, Armaturen, Stoßstangen, Beleuchtungstechnik. Mit dem Auslaufen der Zollvergünstigungen auf Kfz-Teile für westliche Autoproduzenten in Russland steigt der Anreiz, lokale Anbieter zum Zug kommen zu lassen.
Die für die Erstausstattung von Neuwagen verkauften Komponenten kosteten laut Awtostat 2008 rund 11,05 Mrd. $. Das waren 40% mehr als im Vorjahr. Davon entfielen rund 7,18 Mrd. $ auf Kfz-Teile, die in Neuwagen ausländischer Marken verbaut wurden. Dagegen setzen sich laut Awtostat die einheimischen Fahrzeuge aus vergleichsweise billigen Kfz-Teilen zusammen. Die Komponenten für die 900.000 produzierten Ladas, Wolgas und weiteren russischen Marken kosteten lediglich 3,87 Mrd. $.
Quelle: www.gtai.de
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